Institut zur Förderung der intuitiven Musik und schamanischen Klangheilkunde

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VonHans-Peter Dibke

Dokumentarfilm „A`ho, ein schamanischer Weg mit Herz“

Trailer zum Dokumentarfilm „A`ho, ein schamanischer Weg mit Herz“.

Die Dokumentation begleitet Stefan Rahrig bei seiner Arbeit als Schamane, erzählt seine persönliche Geschichte und lässt Menschen zu Wort kommen die Stefan begleiten.

Gedreht, geschnitten und vertont wurde der Film von Thomas Schäfer.

Tom hat Stefan über einen Zeitraum von mehreren Monaten mit der Kamara begleitet, woraus sowohl dieser wunderbare und berührende Film als auch eine Freundschft entstanden ist.

Der Film ist zur Zeit als Filmvorführung über Stefan zu sehen.

Kontakt: aho@stefanrahrig.de

VonHans-Peter Dibke

Obertöne – Die Melodie in einem Ton von Michael Reimann

DIE MUSIK DES BEWUSSTSEINS

Im Grunde unseres Herzens haben wir alle den Wunsch, uns musikalisch auszudrücken. Denken sie an Ihre Kindheit oder die ersten Schuljahre zurück, und Sie können sich bestimmt an ein ungehemmtes, fröhliches Kind erinnern.
Warum haben wir heute, als Erwachsene, eine solche Angst vor dem Singen? In anderen Kulturen gehört das Singen und Tanzen bei jeder passenden Gelegenheit praktisch zum Alltag. Wir lassen spielen; indem wir das Radio oder den Fernseher einschalten.

Die Musik ist die Verbindung von Himmel und Erde. Anders formuliert: Eine Brücke zwischen Materie und Feinstofflichem. Sie kann den Menschen in die Geistigkeit bringen. Das, was die Kirche seit ewigen Zeiten mit mehr oder weniger Erfolg versucht: Durch Predigt und Gottesdienst den Menschen anzusprechen, ihm klar zu machen, woher er kommt und wohin er geht. Den Sinn unseres Lebens – wenn es denn einen gibt – zu vermitteln. Logischerweise ist dieser Versuch durch intellektuelle Maßnahmen zum Scheitern verurteilt. Die geistige Dimension unserer Existenz ist nicht mit Worten zu formulieren und zu verstehen. Daher wird auch von dem Namenlosen, dem Numinosen gesprochen, wenn es um das Göttliche geht.

Und doch gibt es ein Medium, bei dessen Berührung uns sofort intuitiv klar wird, was mit diesem „Unaussprechlichen“ gemeint sein könnte: Die Musik. Eine nicht begreifbare Schwingungsebene, die auf materieller wie emotional-geistiger Ebene auf uns wirkt. Seit Urzeiten ist sie als Unterhaltung, Heilritual, Therapie und gruppendynamischer Festivität existent. Ohne sie könnten wir uns das Leben schlecht vorstellen. Mit den Worten Nietzsches: „Ohne die Musik wäre das Leben ein Irrtum“.

KLANG-MEDITATIONEN

Ich habe einmal versucht zu indischer Musik zu meditieren. Es war eine wichtige Erfahrung; nämlich die, dass ich es nicht konnte. Auch wenn diese Musik keine großen analytischen Gedanken zulässt, so ist sie doch so, dass man seine ganze Aufmerksamkeit braucht, um ihr zu folgen. Dieser freudvolle  Musik-Hör-Genuss steht dem meditativen Seins-Erlebnis im Wege. Das versenken in Atem, Körper und Geist ist bei dieser musikalischen Intensität kaum möglich. Außer Frage steht, dass die „klassische“ indische Musik eine der spirituellsten dieser Welt ist.

Es gibt jedoch Möglichkeiten, mit Klängen in meditative Zustände zu gelangen. Das archaischste und meist praktizierteste Beispiel wäre das schamanische Ritual mit Trommel, Rassel oder Schellen. Als Beispiel aus unserer jüngeren meditativen Praxis möchte ich die Klangschale anführen. Als Anfang- und Endsignal bei Meditationen in einer Gruppe sehr hilfreich, kann sie mit ihrem lang anhaltenden von den Sitzenden mit in die Stille nehmen. Das Prinzip des diminuendo – leiser werden -, das bei jedem Auslösen (Anschlagen) eines Klangs wirksam ist, machen wir uns zunutze, indem wir quasi auf dem verklingenden Ton mit unserer Aufmerksamkeit in die Stille gehen.

Das Monochord ist eines der schönsten und effektivsten Instrumente mit dem wir in die Dimension des Klanges eintauchen können. Alle Saiten werden auf eine einzige Frequenz, auf einen einzigen Ton gestimmt. Dies muss mit größter Sorgfalt geschehen. Je exakter die Saiten übereinstimmen, desto schöner wird der Klang sein.
Mit beiden Mittelfingern streichen wir nun in unterschiedlicher Stärke abwechselnd über die Saiten. So, dass kein Neuansatz zu hören ist und ein unendlicher Klang wahrnehmbar ist. Je nach Anschlagsstärke und Ort erhören wir zusätzlich zum Grundton der ganzen Saite ihre verborgenen Bestandteile: Die Obertöne oder Naturtöne, die mit der Unendlichkeit verbinden.

Die Tambura ist das indische Pendant zum europäischen Monochord. Als Begleitinstrument eines jeden Ensembles hält es den Grundton für die Musiker während des ganzen Stückes bereit, so dass sie sich jederzeit daran orientieren können. Ein sehr intensives Hörerlebnis bekommen wir, indem wir unser rechtes Ohr während des Spiels an den langen Hals der Tambura legen. Die vier schwingenden Saiten – meist in der Reihenfolge Grundton, zwei Oktavsaiten und die Quinte (C-c-c-g) – geben uns ein überaus obertonreiches Klangspektrum, da sie die ersten drei Töne der Obertonreihe sind, so dass wir in diesem offenen „Sound“ zeitlos versinken können.

Nicht vergessen sollten wir als Meditations-Instrument das Didgeridoo der Aborigines, einem von Termiten ausgefressenen Eukalyptusstamm. Obwohl es erst mit den urigen Sounds von Stimme, Zungen- und Lippenperkussion erst seinen typischen Klang bekommt, kann es ohne diese Effekte eine unterbewusste Ebene in uns ansprechen. Dr. Wolfgang Strobel in Würzburg benutzt es z.B. in seiner therapeutischen Praxis.

WASSER-MUSIK

Die bekannte Schallgeschwindigkeit in der Luft beträgt 330 Meter pro Sekunde. Im Element Wasser bewegt sich der Klang, dank der besseren Leitfähigkeit, mit der erstaunlichen Geschwindigkeit von über 1407 Metern pro Sekunde fort. Jetzt können wir in etwa begreifen, warum sich Wale und Delphine in den Ozeanen über weite Distanzen verständigen können.

Einen erstaunlichen Effekt von Schwingungswirkung erhält man bei folgendem Experiment: Man füllt eine Klangschale beliebiger Größe mit Wasser. Schlägt man nun mit einem weichen Schlegel mit steigender Intensität gegen den oberen Rand, so reagiert das bisher stillstehende Wasser mit kleinen sprudelartigen Tröpfchen, die in Kreuzform explosionsartig hoch in die Luft springen.

Eine neuentwickelte Licht-Wasser-Klang-Erfahrung stammt von Miky Remann:

LIQUID SOUND

Diese außergewöhnliche Idee ist eine originäre Entwicklung, welche die heilende Wirkung von Wasser mit ästhetischen Licht- und Klangkompositionen verbindet.

Spezielle Unterwasserlautsprecher, Verstärker, farbiges Licht, basierend auf Glasfaser-Technologie, Mind-Machine-gesteuerte Strobelights und ein Mischpult ermöglichen es, Musik unter Wasser zu hören: in Musik zu baden. Die Töne sind leiser und subtiler, tiefe Töne werden weitgehend gefiltert, hohe bevorzugt. (Esotera Sept/94)

DER OBERTONGESANG

Gott schläft im Stein,
atmet in der Pflanze,
träumt im Tier,
und erwacht im Menschen.

Ich möchte den Obertongesang als eine Verbindung und Verschmelzung von Musik und Meditation bezeichnen. Über einem lang ausgehaltenen Grundton wird das Obertonspektrum hörbar. Nicht beeinflussbar in seiner Gestalt. Über-sinnlich schön. Hohe Töne, schnelle Schwingungen, Bestandteile des einen Tones werden bewusst – über die gewohnten Hörgewohnheiten hinaus. Der Weg der Obertöne weist uns nicht nur zu unserer inneren Stimme.

Er führt uns zu einem kosmisch-universalen Prinzip: Die Ordnung in dem Naturgesetz der Schwingung.

WAS SIND OBERTÖNE ?

Das Farb-Spektrum des Lichtes lernen wir alle in der Schule kennen. Wie aber steht es mit dem des Klangs? Ist er weniger interessant, oder wird er nicht so wichtig genommen? Die Elemente der Chemie mit ihren Formeln müssen wir lernen.

Warum lernen wir nichts über die Elemente des Klanges?
Ein Klang, ein Ton ist die Summe unendlich vieler einzelner Töne: eben der Obertöne.

So wie wir das Licht durch ein Prisma schicken, um erst dadurch die Farben in ihm zu entdecken, so können wir auf vielen Wegen die einzelnen Farben der Musik hörbar machen.

Diese Klangfarben werden durch unterschiedliche Dominanz einzelner Obertöne bestimmt: den Formanten oder sogenannten Resonanzfrequenzen. Durch diese Klangfarben unterscheiden wir die Klänge unserer Umwelt. Z.B. ein Celloton von einer Kreissäge. Der erstere ist konsonante, d.h. gleichmäßige Schwingung, der andere dissonant, d.h. ungleichmäßige Schwingung.

Obertöne, wirken als ein Naturgesetz der Schwingung in und um uns. Sie sind tönender Ausdruck der Materie (Schöpfung).

DIE ENTDECKUNG DER OBERTÖNE

Unsere Sprache oder Singstimme hat zwei Ausdehnungsrichtungen: Nach Außen und nach innen. Wenn wir sprechen oder singen hören wir selbst nicht nur das, was unser Gegenüber hört, sondern auch die inneren Schwingungen, die unsere Stimmbänder verursachen. D.h. der Mensch, der uns gerade zuhört, hört nur die Frequenzen, die aus uns herauskommen. Und so nimmt auch das Tonband unsere Stimme auf. Den Anteil der „inneren Stimme“ können wir hören, indem wir uns beim Sprechen oder Singen die Ohren zuhalten. Wir werden erstaunt feststellen, wie groß dieser Anteil ist.

Obwohl die Menschheit schon sehr früh mit Saiten- und Blasinstrumenten umging, entwickelte sich doch das Bewusstsein für differenzierte Klänge erst später. Die Musik bei den Griechen kam von den Göttern und deren musikalischen Botschaftern: den Musen. Sprache und Musik war bei ihnen eine Einheit. In den Grabkammern der Ägypter sind auf Wandmalereien Musiker zu entdecken, und nahe liegt der Schluss, dass Pythagoras, der längere Zeit zu Studien in Ägypten weilte, hier mathematische und mystische Einweihungen erfuhr.

So betrieb Pythagoras (ca. 582-507 v. Ich.) mit seiner Schule Forschungen, um die harmonischen Proportionen aller Existenz zu ergründen. Die Pythagoreer waren davon überzeugt, dass die Entfernungen der Himmelskörper zueinander und ihrer Geschwindigkeiten harmonischer Natur sind, und somit – in Zahlen ausgedrückt – den gleichen wohltönenden, also harmonischen, schönen Intervallverhältnissen entsprechen, wie sie auf Erden als Musik erklingen [Alfred Lehner „Von der Allgegenwart der Musen” (Quelle unbekannt)].

Den Beweis dieser Vermutungen erbrachte erst der Astronom Johannes Keppler (1571-1630) auf mathematischer Grundlage.

Durch die globale Vernetzung kam der Obertongesang – der seine kulturelle Wiege in Vorderasien bei den mongolischen Völkern hat – nach Europa und Amerika, wo ihm bis heute reges Interesse entgegen gebracht wird. Seine bekanntesten Vertreter sind Michael Vetter, David Hykes, Jonathan Goldman, Christian Bollmann, und viele andere.

Eine der wenigen aktiven weiblichen Obertonsängerinnen ist Claudia Matussek aus München.

AUFBAU DER OBERTONREIHE

Lassen wir eine Saite in ihrer Ganzheit schwingen, so hören wir einen ganz bestimmten Ton. Sie können es gut mit einer Gitarre, mit einem Cello, einer Harfe oder einem Flügel ausprobieren. Berühren wir jetzt die Saite beim Anzapfen mit einem Finger genau in ihrer Mitte, so hören wir den ersten Oberton. Unsere Saite bewegt sich in zwei gleichen Teilen, sie wurde halbiert. Unsere Augen wären dazu nicht in der Lage gewesen. Nur unsere Ohren sagen uns ganz genau, wo die Mitte zu finden ist. An diesem Punkt, und nur an dieser Stelle, hören wir die Mitte. Und zwar den Oktavton.

Aus der Teilung der einen Saite in zwei Teile, erhalten wir den Wert 1:2. Aus einer großen Schwingung werden zwei kleine. Der Grundton wird demnach auch zum ersten Oberton.

Das Erstaunliche ist, dass sich diese Schwingungen in derselben Art und Weise auch in der schwingenden Luftsäule eines Blasinstrumentes, durch stärkeres Anblasen erzeugen lassen. Sie ordnen sich der sprunghaften Struktur der Naturtongesetzlichkeit unter.

Wir gehen also von einem Grundton aus. Wie der Name schon sagt, ist dies der Gesamt-Klang, den wir hören und der das Fundament und das Obertongebäude selbst, eben alles was an Klang im Moment da ist, darstellt und beinhaltet. Man könnte ihn auch als klingenden Maßstab bezeichnen, in dem die unterschiedlichsten Verhältnisse vorhanden sind. Der Grundton ist die Summe, die Obertöne seine Faktoren, die dessen Klangfarbe ergeben.

Schauen wir uns an, in welcher Schwingungsebene sich die Obertöne der menschlichen Stimme befinden, so werden wir entdecken, dass diese Töne – je nach gesungenem Grundton – in die dritte und vierte Oktave reichen. Das sind die obersten Töne auf dem Klavier.

Wenn wir dies in physikalisch-messbare Schwingungen errechnen, kommen wir bei einem Grundton eines kleinen d mit 146 Hz (Schwingungen pro Sekunde) auf 2349 Hz!

Das sind neun Halbtöne höher, als der höchste Ton unserer klassischen Stimmliteratur: nämlich das dreigestrichene f der Königin der Nacht (Koloratursopran) aus Mozarts Zauberflöte.

Schwer nachvollziehbar: Dieses Phänomen soll sich in meiner Stimme befinden?

Machen Sie sich einfach auf den Weg in diese Stimmerfahrung und Ihnen wird es „wie Schuppen von den Ohren fallen“. Also jetzt schnell weg von den theoretischen Fakten, möchte ich Sie mit praktischen Übungen auf diese Entdeckungsreise in Ihre Stimme einladen.

DIE PRAXIS DES OBERTONGESANGS

DIE RESONANZ UNSERER STIMME

Ein wesentlicher Faktor, ich würde sie als Basis oder Fundament bezeichnen, beim Sprechen oder Singen ist die fühlbare Schwingung in unserem Körper: Die Resonanz.

Ausgelöst durch die feine Bewegung unserer Stimmbänder. Spürbar beim leisesten Summen in unseren Lippen.

Neben den Vokalen: a e i o u, sind es die sogenannten Klinger: m – n – ng – s – r – w – l – j, die uns innerlich in Schwingung versetzen.

  • m – Gesichtsvibration (Maskensitz), Schwingung im ganzen Kopf, besonders Schädeldecke, vibrierende Wirkung im oberen Brustbereich bis zu den untersten Rippenbögen
  • n – Klinger der Mitte, oberer Gaumen, Nase, Zungenspitze am vorderen Gaumen
  • ng – Klinger des Nackens, in den Körper strahlend, Klangstrom, verbindend, hintere Zunge am Gaumenbogen

Sie versetzen unser Innerstes in Bewegung und bewirken eine Massage unseres gesamten Körpers. In den Mantren (heilige Ur-laute) und Mudras (Handgesten) der asiatischen Kulturen lebt heute noch eine machtvolle Tradition der Selbsterfahrung, die unsere christliche Tradition leider vernachlässigte.

Eine Sonderstellung nimmt das „NG“ ein. Eigenartig, dass es auch in unserem Wort „Klang“ vorkommt. Diese klingende Silbe bildet den Klangstrom beim Singen und schafft die Grundlage, sozusagen den Klangteppich, auf dem die Obertöne ausgebreitet werden können.

Die schwedische Sängerin Valborg Werbeck-Svärdström berichtet in ihrem Buch „Die Schule der Stimmenthüllung“ über ihre Heilung von einer Art  Stimmbandlähmung mit der Silbe „NG“. Da sie nicht mehr singen konnte, begann sie im Sprechen den Klang durch die Nase zu leiten. Durch den Verlust ihrer Stimme kam sie in die Situation des Nachspürens, um wieder neu den Weg ihrer Stimme zu entdecken. Wach zu beobachten, fühlen und zu lauschen, wo dieser Laut „NG“ sie hinführt. Sie entdeckte dann einen Schwingungspunkt hinter der Nase, der sich erweiternd, gleich einem Klangstrom im ganzen Kopfbereich ausbreiten konnte.

Dieses „NG“ bildet mit dem „J“ den schwingenden Ausgangspunkt für unseren weiteren Weg des Obertongesangs!

Übung zur Resonanz-Verstärkung

Schließen Sie Ihre Augen. Ihre Schultern sind total entspannt. Während Sie ein „w“ langsam ertönen lassen, konzentrieren Sie sich auf die Fingerspitzen beider Hände. Der ausströmende Atem verliert dabei nicht an Stärke. Die obere Zahnreihe liegt dabei auf der Unterlippe. Spüren Sie der Resonanz nach. Lassen Sie sie in Ihren Körper hineinfallen.

Heben Sie dann, bei völlig entspannten Schultern, Ihre Arme seitlich in eine waagerechte Position. Die Handflächen zeigen nach vorn, die Finger sind geschlossen. Dehnen Sie bei jedem verstärkten W-Ausatem die Arme nach hinten. Strecken und dehnen Sie Ihre Arme bis zu den Fingerspitzen. Spüren Sie der entstehenden Resonanz nach. Das Gleiche tun Sie mit gedehnten Armen über dem Kopf mit der Silbe „whu“.

VOKALWEGE – OBERTONWEGE

Eine interessante Oberton-Studie ergibt sich aus der Veränderung von einem Vokal oder Umlaut in den anderen. Sie ist eine Basis-Übung zur Schulung der Aufmerksamkeit für die eigene Stimmfarbe.

Die folgende Übung dürfte auch für die „klassische“ Gesangsausbildung von Nutzen sein. Sie fördert und fordert nämlich eine Klarheit in der Formung der Laute. Mit einer zuhörenden Person (oder anschließender Tonbandkontrolle) am effektivsten durchgeführt, ist sie doch bei sehr guter Konzentration und Aufmerksamkeit auch alleine zu schaffen.

Dies sind alle möglichen Verbindungen von Vokalen und Umlauten der deutschen Sprache. Das „oa“ ist ein Laut, der in morgen oder Sorge geformt wird. Ein helleres „O“.

Tönen Sie diese Verbindungen vorwärts und rückwärts!

Bei zusätzlicher Formung der Lippen und Zungenränder ertönen verstärkt die Obertöne und ihre Anwesenheit wird „ohrenscheinlich“. Eine Beschreibung, wie die Wege der Lippen- Zungen- und Unterkieferbewegungen zustande kommen, unterstützt den Prozess und verschafft Klarheit.

ZUNGENOBERTÖNE

Die stärksten Obertöne hören wir, wenn wir mit starker Stimmresonanz die Umlaute singen. In der Vokalübung kommen sie schon vor. Doch allein das „Singen“ reicht nicht, um einen deutlichen Oberton zu erzeugen. Es ist ein Zusammenspiel von Lippenspannung, Zungenstellung, Atemintensität und Körperresonanz. Die gesungenen Buchstaben sind nur ein Hilfsmittel, das dieses Zusammenspiel annähernd beschreibt.

Ein Garant für starke Obertöne ist Ihre Zunge. Singen Sie ein ö oder ü und spüren, wo Ihre Zunge wie liegt. Dann verstärken Sie den Druck der Zungenränder gegen Ihren Gaumen. So, als wenn sie das ö oder ü in Richtung J verändern würden. Dabei müssten Sie eine Obertonverstärkung wahrnehmen können.

Wenn Sie die Seiten bearbeitet haben versuchen Sie Ihre Zunge nach vorn oder hinten zu verschieben. Aber Vorsicht: Es sind Mikrobewegungen. Wundern Sie sich nicht, wenn Sie durch den Obertonwald rennen, und keine Obertöne hören. Sie sollten ab und zu einmal stehen bleiben, um die Obertonblume am Wegesrand entdecken zu können.

TIPS FÜR GUTE OBERTÖNE

  • Nehmen Sie sich genug Zeit, auf einzelnen Obertönen stehen zu bleiben und sie „auszuhalten“. Versuchen Sie die Liebe zum einen Ton zu entwickeln.
  • Fühlen Sie verstärkt die Schwingungen in Ihrem Kopf- und Brustbereich. Die treibende Kraft ist der Atem. Lassen Sie ihn am Obertongeschehen teilhaben.
  • Versuchen Sie sich mehr auf den Oberton, als auf den Grundton zu konzentrieren.
  • Wenn Sie kaum eigene Obertöne hören können, bilden Sie mit Ihren Händen eine Verbindung zu einem Ohr, indem Sie eine Handinnenfläche vor den Mund halten und die andere ans Ohr.
  • Haben Sie Geduld. Alles braucht seine Zeit.

OBERTONGESANG UND THERAPIE

Aus dem Ansatz heraus, seinen Klienten möglichst viele Bewusstseins- und Seinsebenen zu erschließen, bindet der Bremer Psychotherapeut Dr. Bernhard Mack das Hören und Singen von Obertönen in seine integrative Psychotherapie mit ein.

Bewusstheit, als zentrales Heilungsmedium verstanden, gipfelt hier, durch den Kontakt mit einem harmonikalen Aspekt der Schwingung, nämlich Schönheit, Struktur, Prägnanz, in dem Erleben „Ich bin selbst Schwingung“ (Dr. B. Mack, Sendung RB 1990 Im Klang der 1000 Buddhas von R. Schimmelpfeng).

Die Pulsation – ein Zentralbegriff der integrativen Psychotherapie – als Basis von Sein, führt in die eigene Körperlichkeit; zu einer tieferen Erkenntnis des eigenen Seins  und zu mehr Lebendigkeit.

Da in der Therapie meistens die dunklen Seiten, wie Schmerz, Trauer und Wut be- und verarbeitet werden sollen, besteht die Gefahr, in diesen Bereichen stecken zu bleiben.

Und so bilden Obertonklänge den Ausgleich und beleuchten die andere Seite des Lebens durch ihre beruhigende, entspannende und konzentrative Wirkung. Ihre Resonanz in uns lässt uns ahnen: Das Wesen von Existenz ist Schwingung.

Pi Vilayat Khan, das spirituelle Oberhaupt der Sufis im Westen, antwortete auf die Frage nach der Verbindung von Obertönen und Chakren (Nervenzentren unseres Körpers): “Ich glaube, es gibt sie. Aber die wahre Heilkraft des Klangs liegt meines Erachtens in den Obertönen.“ (Heilende Klänge, S. 14, a.a.O.).

Die Wirkungen des Obertongesanges beschreibt der Amerikaner Jonathan Goldman in seinem Buch „Heilende Klänge“: “Obertöne singen heißt: seiner eigenen Stimme zuzuhören. Auf die eigene Stimme hören. Auf die „Innere Stimme“ hören.
Mehr noch: auf ein Gefühl achten, dessen man gewahr wird, das sagt: so ist es! Als Brücke zum Geistigen finden wir durch sie zur inneren Harmonie und zu einer größeren Bewusstheit. Naturgesetze zu er-leben heißt: sich selbst mit der Welt in Einklang bringen.“

“Robert Thurman, Professor für indo-tibetische Studien an der Universität von Columbia, schreibt: Die tibetanischen Mönche glauben, dass sie den Ton nicht „machen.“ Vielmehr werden sie zu einem Vermittler, durch den der heilige Ton sich manifestieren kann. Dies ist ein grundlegendes Prinzip des tibetischen Buddhismus. Die singenden Gyuto- und Gyume-Mönche verkörpern dieses Klangverständnis, und ihr eindrucksvolles multiphones Singen veranschaulicht es. Die von ihnen erzeugten Obertöne sind das Ergebnis ihrer Einswerdung mit dem heiligen Klang.

Das Eins werden mit dem Klang ist ein Schlüssel für Klangmeditationen. Dadurch können die tibetischen Mönche ihre „Melodie des einzelnen Tons“ hervorbringen. Der Klang wird nicht als physikalisches Phänomen betrachtet, das durch die Stimmbänder erzeugt wird, sondern als lebendige Energie, die sich durch die Menschen manifestieren kann, die sich auf sie einstimmen. Das Eins werden mit dem Klang hat mit der Vorstellungskraft und völligem Loslassen zu tun; wir müssen vertrauen. Wenn wir versuchen, den Klang zu kontrollieren, werden wir nie zu ihm werden.” (Heilende Klänge – Die Macht der Obertöne, S.101, a.a.O.)

Jede Musik, die ein Mensch zum Ausdruck bringt – sei er Laie oder Profi – ist ein göttlicher Ausdruck seiner schöpferisch-kreativen Möglichkeiten.

HEILUNG DURCH MUSIK

„Musik ist die Medizin der Zukunft.“ Edgar Cayce

Die heilsame Wirkung der Musik auf den musizierenden Menschen selbst, zeigt sich nicht nur offensichtlich jedem, der einen solchen beobachtet. Kinder und Erwachsene, die frei improvisierend ohne Noten spielen, weisen einen verklärten und ruhigen Gesichtsausdruck auf, als wenn sie sich in einer anderen Welt befänden. Und dies kann ich nur bestätigen. Es ist die innere Welt der Phantasie, des Fühlens und des Glücks. Abgesehen von der geistigen Konzentration, macht sich das „Spiel“ quasi selbständig und man hört zu, wie „ES“ spielt. Die Töne werden gewissermaßen unbewusst von einer inneren Instanz aneinander-gereiht. Meine Kontrolle steht während dessen nicht im Vordergrund, und damit auch nicht im Wege.

Einen Beweis bekam ich in die Hände, als ich meine Gehirnströme beim Musizieren aufzeichnen ließ. Ich wusste, dass ich mich tief in diesen Prozess versenken konnte, aber dieses Ergebnis hatte mich doch überrascht: Meine Hirnhälften zeigten Theta-und Deltawellen auf, die sonst nur im Tiefschlaf oder Trance nachzuweisen sind. Die Aktivität beider Hirnhälften war ausgeglichen und fast identisch.

Musik zu realisieren ist auch Liebe und Gemeinschaft; wir üben miteinander zu wirken und aufeinander zu hören. Deshalb ist es auch so wichtig, sie zu kultivieren. Sie hat große Auswirkungen für unsere Gesellschaft. Musizierende Menschen sind friedvolle Menschen. Das meditative Schwingungserleben in uns ist ein kraftvolles und heilendes Energiepotential. Ein Naturphänomen, in dem die Dimensionen des Klanges als Verbindung von Körper und Geist, offenbar werden. Die Vibrationen des Instrumentes oder durch die eigene Stimme werden im ganzen Körper des Spielenden reflektiert, und haben harmonisierende und somit heilsame Wirkung.

TRANSFORMATION

Der Mensch strebt zur Harmonie und Ausgeglichenheit. In den Zustand, in dem sich die Natur, auch wenn es manchmal nicht den Anschein hat, schon immer befunden hat. Wenn eine Gruppe einen chaotischen Klang produziert, also jeder singt einen anderen Ton, dann klingt dieses „Chaos“ ganz erstaunlich, in gewisser Weise einmalig und wunderbar. Er symbolisiert das Individuelle in der Gruppe. Nach einiger Zeit wird man eine Angleichung bemerken, die in einem Ton oder in einer Harmonie, entweder in Dur oder Moll münden wird. Ein Phänomen, das wie von selbst geschieht.

Warum machen wir eigentlich Musik? Welchen Zweck verfolgen wir? Wir tun doch nur immer etwas, wovon wir wissen, dass wir einen ganz bestimmten Nutzen aus dieser Tätigkeit ziehen werden. Wie steht es denn dann mit unserer musikalischen Betätigung?

Wir möchten immer alles interpretieren und allem eine Bedeutung beimessen. Was uns sehr schwer fällt, ist das Annehmen des reinen Seins. Ohne etwas in eine Kategorie einzuordnen. Es einfach sein zu lassen.

Immanuel Kant, der Deutsche Philosoph des 18. Jahrhunderts, soll gesagt haben: „Es gibt zwei Dinge, die nichts zu bedeuten brauchen: Die Musik und das Lachen“.

Um auf das musikalische Ritual zurückzukommen, möchte ich hier nur die Entwicklung der Techno-Szene erwähnen. „Musik“, das viel zu Laute, auf Metrum, Rhythmus und schnelle synthetische Tonfolgen reduzierte Erlebnis. Eine für viele Menschen unverständliche und nicht nachvollziehbare Erscheinung, die schlimmer scheint, als die Discobesuche der vorigen Generation. Die verheerenden Spätfolgen sind irreparabel Schwerhörigkeit, vor der die Ohrenärzte immer wieder warnen. Aber was suchen denn die meist jüngeren Menschen, oder besser gesagt: Was finden sie in dieser meist vielstündigen, lauten, monotonen und extatischen Musik- und Tanzbewegung?

Sie finden das, was ihnen die Eltern, die Gesellschaft oder ihre Religion nicht mehr bieten kann, weil sie es im Laufe der Zeit verlernt und verdrängt hat: Eine Möglichkeit, zu sich selbst zu finden, durch intensivste Gefühle ihres Körpers und anderen Bewußtseinsebenen. Ein Vergessen des Alltags mit seinen Problemen, durch das Eintauchen in tranceartige Zustände. Die Möglichkeit, sie selbst zu sein. Sie finden möglicherweise die in unserer Gesellschaft vergessene Initiation vom Kind zum Erwachsenen.

Die Berührung zu unserer ureigensten Musikalität, gibt uns ein Gefühl von Glück, Gelassenheit, innere Ruhe und Freiheit. Wir fühlen unser eigenes, großes Kraftpotential durch die Musik. Musik, als Verbindung und Brücke zwischen Materie und Geist, macht uns das HOLOGRAMM dieser Welt bewusst.

Die Indische Kultur hat es mit den Worten „Nadha Brahma“ ausgedrückt: Die Welt ist Klang.

In diesen Schwingungen, vom kleinsten Elementarteilchen bis zu den Planeten, sind wir mit dem Universum und unserer Welt verbunden.

Und keine anderen Worte drücken treffender aus, was Musik für uns bedeutet, als die, von Richard Wagner: „Ich kann den Geist der Musik nicht anders fassen als in Liebe.“

DIE SPIRITUELLE ERKENNTNIS

„Ich bin geneigt zu glauben, dass das Universum mehr ist als das, was im menschliches Bewusstsein existiert“ Michael Harner

Leben bedeutet, einer spirituellen Dynamik unterworfen zu sein. Mit dem chinesischen Ausdruck des „WU WEI“ , das empfiehlt, „dem Fluss des Lebens“ zu folgen, und nicht einen Staudamm nach dem anderen zu errichten, können wir versuchen, unseren Kontakt mit dieser undefinierbaren universellen Energie zu stabilisieren. Die Beschäftigung mit den schönen Künsten trägt hierzu bei. Die Klänge, Schwingungen und Töne sind die Vermittler zwischen den geistigen und materiellen Welten, zwischen denen wir so hin und her geworfen sind. In der Begegnung mit dem Musikalischen können wir eine Seins-Erfahrung erleben, die den Glauben als eine persönliche Erfahrung fundamentieren kann.

Das Bild eines Sees ist ein schönes Gleichnis für unsere Situation. Wenn der Wind die Seeoberfläche mehr oder weniger bewegt, so spiegeln sich der Himmel und die Wolken in vielen Schattierungen. Glätten sich jedoch die Wellen und es wird still, so wird der Blick in die Tiefe frei: Wir erkennen unter der Oberfläche den Raum in dem sich das Wasser befindet. Je ruhiger das Wasser ist, desto tiefer können wir schauen und erkennen sogar den Grund.

Rosina Sonnenschmidt und Harald Knauss gehen auf dieses Thema in ihrem sehr empfehlenswerten Buch „Musik-Kinesiologie“ ein und schreiben:
„Der Begriff „Spiritualität“ löst bei den meisten Musikern Naserümpfen aus, weil er mit Esoterik gleichgesetzt wird. Dabei bedeutet dieses Wort einfach nur Geistigkeit, eine immaterielle Kraft, die die Materie weit überflügelt. Nach unseren bisherigen Erfahrungen resultieren die meisten Probleme aus dem Fehlen jeglicher Spiritualität in der Haltung des modernen Künstlers. Er ist perfekt und weiß gleichzeitig nicht, welchen tieferen Sinn die Perfektion haben soll. Die innere Ausrichtung auf ein höheres, geistiges Ziel wird mit einem Haften an religiösen Dogmen, Glaubensmustern und Ritualen verwechselt, deshalb abgelehnt und durch nach außen gerichtete Wertvorstellungen von Erfolg, Leistung, Perfektion kompensiert.

Die Erklärung warum dies zu tiefgreifenden Problemen führt, ist einfach: Die spirituelle Kraft ist eine natürliche Energie, die jedem Menschen eigen ist, folglich verlangt sie nach Nahrung, um wirken zu können. Der Künstler geht im schöpferischen Prozess mit feinstofflichen Energien um, ohne es zu merken. Werden diese Energien bewusst wahrgenommen, richtet der Künstler sie auf ein höheres Ziel, das er in die Worte seiner Kultur kleidet. Je inniger er sich der höchsten Universalkraft weiht, desto weniger betrachtet er seine Kunst als Werk seines Egos.

Und dies, vereinfacht ausgedrückt, ist eine spirituelle Ausrichtung. Das Ego tritt in den Hintergrund, der Künstler wird zum Medium, durch das eine höhere Kraft hindurchfließt, und er betrachtet sich als Bote erhabener Energien. Ob er sie nun „Gott“ oder „Wahres Wesen“ oder „Schöpferkraft“ nennt, ist einerlei und, wie gesagt, durch seine Kultursprache bedingt. An der Art und Weise, wie er diese innere Haltung lebt und in seiner Kunst zu verwirklichen trachtet, erkennen wir die Qualität seiner Spiritualität.“ (Musik-Kinesiologie, R. Sonnenschmidt/H. Knauss, VAK Freiburg, 1996)

Die Musik galt immer als eine der Künste, die den Menschen aus der reinen Seinssphäre empor hob, in die geistige Welt. Aufgrund ihrer Substanz, aus der sie besteht:
Nicht greifbar, numinos, unerklärlich faszinierend, beeinflussend im Hören und Fühlen.

Nutzen wir sie also in diesem Sinne nicht nur als Unterhaltung und Vergnügen, sondern seien wir uns bewusst, mit dieser Kunst einen Schatz in uns zu tragen, der entwickelt werden kann, für ein sinnvolles und glückliches Leben.

Mit der Kunst der Musikausübung, als schöpferisches Tun, können wir die Schöpfung an uns selbst vollenden.

Literaturhinweise & Empfehlung:

  • HEILENDE KLÄNGE, Jonathan Goldman, Knaur, München, 1994
  • Musik-Kinesiologie, R. Sonnenschmidt / H. Knauss, VAK Freiburg, 1996
  • DAS DIDGERIDOO, M. Reimann, Buch & MC, Verlag Pamedia Zürich
  • DER KLANGRAUM; M. und B. Reimann, Verlag Pamedia Zürich,
  • TONGA-DRUMMING, Zen – in der Kunst des Trommelns, M. Reimann, ACRON-MUSIC
  • Entdecke die Musik in Dir, M. Reimann, Kösel Verlag, München 1998,
  • Oberton Singen. Mit Lern-CD: Das Geheimnis einer magischen Stimmkunst, Wolfgang Saus, Traumzeit Verlag

Quelle: mit freundlicher Genehmigung vom Michael Reimann

VonHans-Peter Dibke

„Das verlorene Paradies“ – von Michael Reimann

Unsere Sehnsucht zu Musizieren

Unsere musikalischen Rituale bewegen sich heute meist zwischen Musik-Hören per Knopfdruck oder seltenen Konzertbesuchen. Wir konsumieren nicht nur unsere Nahrung aus Konserven sondern auch die Kunst. Unsere Bequemlichkeit und die Werbung lassen uns die unglaubliche Befriedigung des „Selbstgemachten“ vergessen. Das lebendige Tun, und die eigene Kreativität werden den „Begabten“ überlassen. Der Hoch-Leistungszwang unserer Gesellschaft hat uns gründlich den Spaß am musikalischen Erleben verdorben. Den vielen Eindrücken unseres Alltags stehen zu wenig kreative Ausdrucksmöglichkeiten gegenüber.
Durch stimmlichen oder instrumentalen Selbstausdruck komme ich meiner eigenen Schöpfung näher. Die eigene Erfahrung des Musizierens, lässt mich meine Lebendigkeit fühlen, und ist durch nichts zu ersetzen.

Bis heute habe ich die Worte meiner Eltern im Ohr: „Mach bloß nichts mit Musik. Das ist eine brotlose Kunst.“ Erstaunlich, dass sie sich trotz einiger „Umwege“ nun doch als meine Berufung durchgesetzt hat. Über ein Dirigierstudium, einen Lehrauftrag an der Saarbrücker Musikhochschule, pianistischer Tätigkeit an Theater und Waldorfschule sowie Begleitungen beim Bundeswettbewerb Chanson-Song-Musical, versuche ich nun seit elf Jahren in Seminaren und Konzerten „handgemachte“ Musik aus allen Erdteilen unter die Menschen zu bringen. Dabei hat das Trommeln genau den gleichen Stellenwert, wie das Klavierspielen.
Ich kann heute in der Praxis nicht mehr Ernste und Unterhaltungsmusik unterscheiden (so wie es im Abrechnungsmodus der GEMA heute noch geschieht). Jede Musik, die ein Mensch zum Ausdruck bringt – sei er Laie oder Profi – ist ein göttlicher Ausdruck seiner schöpferisch-kreativen Möglichkeiten.

Bei unserer heutigen Technik: Radio, Fernsehen, Tonband, Video, CD-Spieler, Keyboard etc. grenzt es schon an ein Wunder, das einige Leute sich trauen, ohne Strom auf einem Instrument Töne von sich zu geben. Bei den auf uns einstürzenden Medien-Informationen glauben wir, ohne eine 1000 Watt-Anlage nichts Beeindruckendes mehr zustande zu bringen.
Dabei sind es gerade die zarten Töne, die uns am meisten berühren. Und Hand aufs Herz: Glauben Sie, das Sie so etwas Berührendes tun könnten?
Wenn nicht, so möchte ich Ihnen Mut machen, es einmal auszuprobieren. Für sich ganz allein. Summen Sie ein leises M, so, als wenn Sie ein Wiegenlied summen würden. Lassen Sie sich los. Lösen Sie alle Spannungen die Sie noch wahrnehmen, und träumen Sie mit Ihrer Stimme. Lassen Sie die Töne entstehen, die erklingen wollen. Gehen Sie zu dem Punkt, an dem Sie als Kind schon einmal waren: Vorurteilsfrei mit Ihrer Stimme zu spielen.

Genießen Sie diese Freiheit, die Ihnen niemand nehmen kann. Spüren Sie die wohltuenden Vibrationen in Ihrem Innern?
Mit sechs Jahren spielte ich alles auf dem Klavier was mir zu Ohren kam. Aus zwei Gründen.
Erstens: In unserem Wohnzimmer stand eines, und zweitens: Mein Vater spielte Klavier, der sich als (sehr guter) Barpianist in renommierten Hotels sein Brot verdiente. Als kleiner Junge hatte ich das Glück, ohne viele Beurteilungen, was mein Klavierspiel anbelangte,aufzuwachsen. So konnte ich, zum Leidwesen der übrigen Hausbewohner, meinen großen Ideenreichtum musikalisch umsetzen. Ich nahm eines Tages – inspiriert durch einen Cowboyfilm – unser Klavier auseinander, und befestigte Reißnagel an den Filzschlägeln.
Unser altes Klavier klang daraufhin genauso, wie das, was gerade im Saloon des Westerns zu hören war.

Was ist eigentlich das Faszinierende an der Musik? Könnten Sie sich ein Leben ohne Musik vorstellen? Ist Ihnen die Bedeutung der Musik für Ihr Leben bewusst?
Wenn Sie sich durch das Singen oder dem Spiel eines Instrumentes mit den musikalischen Elementen RHYTHMUS (Trommel) – MELODIE (Stimme) – HARMONIE (Zusammenklang) beschäftigen, bekommen Sie den Kontakt zu den Wurzeln unserer Musik und zu sich selbst.

Sie spüren am eigenen Leib, was Schwingung bedeutet, da Sie diese mit Ihrer eigenen Stimme und Ihren Händen in musikalischer Form zum Ausdruck bringen. Haben Sie schon einmal eine Afrikanische Trommel gespielt oder Afrikaner trommelnd, singend und tanzend erlebt? Dann wissen Sie, was ich meine. Die eigene musikalische Betätigung, und noch verstärkt durch eine Gemeinschaft, bringt so viel Freude, Spaß und Lebensenergie, dass es sehr sonderbar ist, warum wir dies so selten tun. Ängste und Vorurteile – eigene, oder die unserer Umgebung – lassen es uns nicht mal versuchen.
Fragen Sie sich bitte, ob Sie einen tiefen Wunsch nach einem Instrument oder Ihrer Stimme haben. – Lassen Sie alle Hemmungen, Vorurteile und Barrieren fallen, die Sie bisher daran gehindert haben und erfüllen Sie sich diesen Wunsch. Die Erfüllung kann Ihr Leben verändern.

Im Grunde unseres Herzens haben wir alle den Wunsch, uns musikalisch auszudrücken.
Denken sie an Ihre Kindheit oder die ersten Schuljahre zurück, und Sie können sich bestimmt an ein ungehemmtes, fröhliches Kind erinnern. Warum haben wir heute, als Erwachsene, eine solche Angst vor dem Singen? In anderen Kulturen gehört das Singen und Tanzen bei jeder passenden Gelegenheit praktisch zum Alltag. Wir lassen spielen; indem wir das Radio oder den Fernseher einschalten.
Und so ist unser „Musik-Verhalten“ ein Spiegel unserer Leistungsgesellschaft. Wir vergleichen uns sehr schnell mit dem, was uns die Medien, per Fernsehen und CD ins Haus liefern. Wir hören technisch perfekte Musikkonserven und verlieren den Mut zur eigenen musikalischen Kreativität.

Wir können sprechen, bevor wir lesen und schreiben gelernt haben. Wir können Singen, bevor wir die Notenschrift beherrschen. Und alle musikalischen Unterweisungen in der westlichen Kultur verlangen von uns genau den umgekehrten Weg zu gehen. Nämlich über den Kopf, also über die Notenschrift Musik zu machen. D.h. zu reproduzieren, was ein anderer Mensch sich ausgedacht hat. Auch wenn dieser – meist ein Komponist eines anderen Jahrhunderts – phantastische Musik geschrieben hat, so ist es nicht der Ausdruck meines eigenen Empfinden, und die fehlerfreie Ausführung verlangt meistens eine lang geübte Technik. Ich glaube jeder von uns hat diese, meist unangenehmen Erfahrungen beim Instrumentalunterricht gemacht.
Es gibt keine falschen Töne, genau so, wie es kein falsches Wetter gibt.

Wer nicht das große Glück hatte, einen Menschen an seiner Seite zu haben, der uns erst einmal auf das Wahrnehmen und Hören, als wichtigste Voraussetzung für das Musizieren, aufmerksam gemacht hat, oder die Laute der Natur – sei es ein Vogel, ein Bachglucksen oder ein Wasserfall, zu entdecken gelehrt hat, musste den beschwerlicheren Weg gehen.
Ich hörte in einer interessanten Sendung über das Hören von einem Franzosen Namens Viktor Knud. Er berichtete, wie er zu seiner Aufnahmebegeisterung von Naturgeräuschen gekommen ist. Und seine Erzählung, sowie das sehr kurz zu hörende Beispiel ließen mir auch keine Ruhe: Es waren die Geräusche eines schlafenden Hasen! So unglaublich es klingt:
Man meint, ein Kind zu hören, was gerade träumt. Ein schlafender Hase gibt Töne von sich, die wir durchaus als emotionale Reaktionen akustischer Art interpretieren können.

Die heilsame Wirkung auf den musizierenden Menschen selbst, zeigt sich nicht nur offensichtlich jedem, der einen solchen beobachtet. Kinder und Erwachsene, die frei improvisierend ohne Noten spielen, weisen einen verklärten und ruhigen Gesichtsausdruck auf, als wenn sie sich in einer anderen Welt befänden. Und dies kann ich nur bestätigen. Es ist die innere Welt der Phantasie und des Glücks.
Abgesehen von der geistigen Konzentration, macht sich das „Spiel“ quasi selbständig und man hört zu, wie „ES“ geschieht. Die Töne werden gewissermaßen unbewusst von einer inneren Instanz aneinander-gereiht. Meine Kontrolle steht während dessen nicht im Vordergrund, und damit auch nicht im Wege.

Einen Beweis bekam ich in die Hände, als ich meine Gehirnströme beim Musizieren aufzeichnen ließ. Ich wusste, dass ich mich tief in diesen Prozess versenken konnte, aber dieses Ergebnis hatte mich doch überrascht: Meine Hirnhälften zeigten Theta- und Deltawellen auf, die sonst nur im Tiefschlaf oder Trance nachzuweisen sind. Die Aktivität beider Hirnhälften war ausgeglichen und fast identisch.

„Musik ist die Medizin der Zukunft.“ Edgar Cayce

Die Musik ist hörbares Abbild des Weltalls. Schon ein kleines Lied ist ein Sinnbild des Daseins. Musik ist auch Liebe und Gemeinschaft; wir üben miteinander zu wirken und aufeinander zu hören. Deshalb ist es auch so wichtig, sie zu kultivieren. Sie hat große Auswirkungen für unsere Gesellschaft. Musizierende Menschen sind friedvolle Menschen.
Das meditative Schwingungserleben in uns ist ein kraftvolles und heilendes Energiepotential.
Ein Naturphänomen, in dem die Dimensionen des Klanges als Verbindung von Körper und Geist, offenbar werden. Die Vibrationen des Instrumentes oder durch die eigene Stimme werden im ganzen Körper des Spielenden reflektiert, und haben harmonisierende und somit heilsame Wirkung.

Improvisation & Transformation

Ich habe mich immer gesträubt, musiktherapeutisch zu arbeiten. Vielleicht aus dem einfachen Grund, keinen Bezug dazu zu haben, und mich durch keine derartige Ausbildung qualifiziert zu haben. Aber ich musste langsam einsehen, dass alles was ich mit Menschen in Kurs – oder Lehrtätigkeit übte, Musiktherapie war. Der Mensch und die Natur streben zur Harmonie. Wenn eine Gruppe einen chaotischen Klang produziert, also jeder singt einen anderen Ton, dann klingt dieses „Chaos“ ganz erstaunlich, in gewisser Weise einmalig und wunderbar. Er symbolisiert das Individuelle in der Gruppe. Nach einiger Zeit wird man eine Angleichung bemerken, die in einem Ton oder in einer Harmonie, entweder in Dur oder Moll münden wird. Ein Phänomen das wie von selbst geschieht.

„Durch das Ohr dringen die Töne in das Innere der Seele.
Sie können durch ihre Gestalten und Zusammenhänge
den Menschen nicht nur bilden und formen, sondern ihn
auch beeinflussen, zum Guten oder zum Bösen.“
Platon, 347 v. Chr.

Warum machen wir eigentlich Musik? Welchen Zweck verfolgen wir? Wir tun doch nur immer etwas, wovon wir wissen, dass wir einen ganz bestimmten Nutzen aus dieser Tätigkeit ziehen werden. Wie steht es denn dann mit unserer musikalischen Betätigung?
Wir möchten immer alles interpretieren und allem eine Bedeutung beimessen. Was uns sehr schwer fällt, ist das Annehmen des reinen Seins. Ohne etwas in eine Kategorie einzuordnen.

Einfach sein zu lassen. Es sein lassen.

Immanuel Kant, der Deutsche Philosoph des 18. Jahrhunderts, soll gesagt haben: „Es gibt zwei Dinge, die nichts zu bedeuten brauchen: Die Musik und das Lachen“.

Um auf das musikalische Ritual zurückzukommen, möchte ich hier nur die Entwicklung der Techno-Szene erwähnen. „Musik“, das viel zu Laute, auf Metrum, Rhythmus und schnelle synthetische Tonfolgen reduzierte Erlebnis. Eine für viele Menschen unverständliche und nicht nachvollziehbare Erscheinung, die schlimmer scheint, als die Discobesuche der vorigen Generation. Die verheerenden Spätfolgen sind irreparable Schwerhörigkeit, vor der die Ohrenärzte immer wieder warnen. Aber was suchen denn die meist jüngeren Menschen, oder besser gesagt: Was finden sie in dieser meist vielstündigen, lauten, monotonen und extatischen Musik- und Tanzbewegung?

Sie finden das, was ihnen die Eltern, die Gesellschaft oder ihre Religion nicht mehr bieten kann, weil sie es im Laufe der Zeit verlernt und verdrängt hat: Eine Möglichkeit, zu sich selbst zu finden, durch intensivste Gefühle ihres Körpers und anderen Bewußtseinsebenen. Ein Vergessen des Alltags mit seinen Problemen, durch das Eintauchen in tranceartige Zustände.

Die Möglichkeit, sie selbst zu sein. Sie finden möglicherweise die in unserer Gesellschaft vergessene Initiation vom Kind zum Erwachsenen, der auch als solcher akzeptiert wird und nicht mehr sein Leben lang als Kind seiner Eltern gesehen und behandelt wird.
Die Berührung zu unserer ureigensten Musikalität, gibt uns ein Gefühl von Glück, Gelassenheit, innere Ruhe und Freiheit. Wir fühlen unser eigenes, großes Kraftpotential durch die Musik. Musik, als Verbindung und Brücke zwischen Materie und Geist, macht uns das HOLOGRAMM dieser Welt bewusst.

Die Indische Kultur hat es mit den Worten „Nadha Brahma“ ausgedrückt: Die Welt ist Klang.

In diesen Schwingungen, vom kleinsten Elementarteilchen bis zu den Planeten, sind wir mit dem Universum und unserer Welt verbunden.

Und keine anderen Worte drücken treffender aus, was Musik für uns bedeutet, als die, von Richard Wagner:
„Ich kann den Geist der Musik nicht anders fassen, als in Liebe.“

Artikel von Michael Reimann für die Zeitschrift „Publik Forum“ vom 17. Juni 1998

Literaturhinweise:
•Das Didgeridoo, M. Reimann, Buch & MC, Verlag Pamedia Zürich, ISBN 3-907073-60-6
•Der Klangraum, M. und B. Reimann, Verlag Pamedia Zürich, ISBN 3-907073-61-4
•Entdecke die Musik in Dir, M. Reimann, Kösel Verlag, München 1998, ISBN 3-466-36508-2
•Trommelschule M. Reimann, Schirner Verlag Darmstadt, ISBN 3897679191
•Das Klangschalenbuch, M. Reimann, Schirner Verlag Darmstadt, ISBN 3897671573

VonHans-Peter Dibke

„Musik ist die Stimme der Seele“ – Ein Interview von Sven Rohde mit Markus Stockhausen

Gespräch mit dem Trompeter und Komponisten Markus Stockhausen über Selbstausdruck, die Arbeit mit seinem Vater Karlheinz Stockhausen und Spiritualität in der Musik

Wann hatten Sie das erste Mal nach einem Konzert oder einer Aufnahme das Gefühl: Diese Musik ist wirklich der Ausdruck meines Selbst?

Diese Momente gab es früh. Intensiv habe ich es empfunden, als ich 1982 mit Rainer Brüninghaus das Album „Continuum“ aufgenommen habe. Das war ein magischer Moment. Da ist hörbar etwas von meinem Wesen angekommen auf der Platte. Sie ist ein Meilenstein meiner Karriere, mit dem ich mich immer noch identifizieren kann. Diese Momente habe ich in anderen Konstellationen immer wieder gesucht und weitergeführt, auch mit meinem Bruder Simon, im Trio Lichtblick, bei Quadrivium, Electric Treasures, jetzt im Duo mit Florian Weber am Flügel. Da sind eine Freiheit im Klang und ein wunderbares Nehmen und Geben im Zusammenspiel.

Lässt sich beschreiben, was da passiert, oder kann man es nur hören?

Dafür ist Musik da, dass man sie hört. Aber vielleicht: dass ich in einen Strom von Energie komme, in dem sich das eigene innerste Wesen ganz ausdrücken darf und zu einer Erfüllung kommt. Ich bin dann vielleicht über ein oder zwei tote Punkte der Erschöpfung hinweg und gebe mich ganz hin. Dann verschmelze ich mit der Musik. Solche beglückenden und tiefen Erfahrungen habe ich auch in der Musik meines Vaters gehabt. Sonst hätte ich sie auch nicht immer wieder spielen können.

Welche Momente erinnern Sie?

Wir haben 1985 in Berlin mit dem Radiosymphonieorchester die Oper „Samstag aus Licht“ konzertant aufgeführt. Da spielte ich das Solo „Oberlippentanz“ mit der Piccolo-Trompete. Mein Vater stand neben mir und dirigierte, und dann gab es eine lange Kadenz und ich spielte, zuerst stehend, dann kniend, dann liegend. Dann stand ich langsam wieder auf und führte das Solo zu einem Höhepunkt, an dem das Orchester wieder einsetzte, mit einem ganz hohen Ton von mir – wenn das gelingt, dann ist das so erfüllend und man weiß: Das war gut! Da sind mein Vater und ich uns sehr schön begegnet. Ich wollte, dass er ganz schwierige Passagen für mich schreibt, sehr tiefe oder sehr hohe Töne, ich wollte diese Extreme, die ich selbst an Jazztrompetern bewunderte. Das war total schwer für mich! Aber ich wollte es so.

Ich habe von Ihnen das Zitat gefunden: „Sobald ich merke, das Musik sich wiederholt, wende ich mich innerlich ab. Ich will dem Jetzt Ausdruck verleihen. Man muss einer höheren Idee dienen, die gerade im Moment entsteht.“

Wenn ich merke, dass Dinge in Schemata ablaufen, dann langweilt mich das. Als ich ein Haydn-Konzert mit Orchester spielte, war der erste Impuls: Ich will es gut machen. Das dirigierte mein Vater, und ich bewies mir, dass ich das kann. Dann kam der Punkt, an dem es mich langweilte, weil ich merkte, das können doch hundert andere auch. Dieser ganze Ritus, die Orchesterproben, der Dirigent und „hallo, los geht’s“ und bloß keinen falschen Ton – das interessierte mich überhaupt nicht mehr. Deswegen habe ich damit aufgehört. Das ist für mich typisch. Ich mache Dinge im Ausschlussverfahren, ich erlebe sie und schließe sie dann für die Zukunft aus. Darin sehe ich einen Sinn des Lebens. Die gesamte Schöpfung ist uns geschenkt, damit wir uns selbst erkennen und formen. Wenn man sagt, Gott ist Liebe, ist das für mich Ausdruck seiner Liebe: dass wir in der Anschauung der ganzen Welt erwachen dürfen. Mit allem Leid, allen Schwierigkeiten – genau so muss das sein. Darin sehe ich tiefste Weisheit. Wenn wir nicht diese gewaltigen Probleme in ihrer ganzen Spannweite zu bewältigen hätten, dann wären wir flach und langweilig. Und so ist es für mich in der Musik. Wenn sie sich zu oft wiederholt, dann möchte ich weiter.

Ist das nicht ein gewaltiger Anspruch zu sagen: Es muss immer neu sein?

Es muss nicht neu sein, es muss lebendig sein. Und wenn es lebendig ist, ist es auch neu. Musik ein wunderbares Ausdrucksmittel, weil wir im Moment (Stockhausen schnippt laut mit den Fingern) Neues schöpfen können. Das ist in der Bildenden Kunst anders, langsamer, mühevoller. Diese Unmittelbarkeit der Musik ist es, die mich fasziniert. Es ist eine Gnade, Musik machen zu dürfen.

In einem Vortrag haben Sie das Phänomen beschrieben, dass Sie im Zusammenspiel mit anderen auf einmal Tonfolgen spielen, die Sie nie zuvor geübt haben. Was geschieht da?

Ich spüre, es packt mich. Ich komme in einen Strom und spiele etwas, das ich vorher nicht für möglich gehalten habe. Eine sehr beglückende Erfahrung. Wenn man sich mit Anthroposophie beschäftigt hat, dann weiß man, dass alles, das schon mal auf der Welt gemacht oder gedacht wurde, gespeichert ist: in der Akasha-Chronik. Das klingt für viele Menschen natürlich wie Spuk, aber auf Basis der Quantenphysik könnte das Phänomen erklärbar werden. Da komme ich als Trompeter auf einmal in einen Miles-Davis-Sog hinein. Als ich mit dem Pianisten Antoine Hervé in einem Pariser Jazzclub spielte, den Dämpfer aufsetzte, da kam ich in diesen Mood, den Miles so geliebt hat. Ich bin gleichsam auf energetischer Ebene angeschlossen an den kollektiven Erfahrungsschatz der Menschheit. Ich muss das gar nicht vorher gehört haben. Wenn ich mich einlasse, dann komme ich damit in Resonanz. Sie ist das Schlüsselwort.

Wie geht es Ihnen in den Seminaren „Singen und Stille“, die Sie anleiten? Da singen die Teilnehmer ganz basal, Grundton, Quinte, Oktave, viele haben Mühe mit der Intonation. Wenn man Ihre Vorgeschichte als Musiker kennt, fragt man sich: Worin liegt der Reiz für Sie?

Tatsächlich ist es mir nie langweilig geworden, obwohl ich das schon seit 2001 mache. Dieses schöpferische Element der Spiritualität, das ich in der Musik so liebe, überträgt sich in diesen Seminaren. Wie kann ich diese Gruppe anleiten, wie kann ich einzelnen helfen, über ihren Schatten zu springen, über das Singen sich selbst zu erkennen? Das ist immer wieder neu. Diese Frage „wer bin ich?“ steht im Zentrum der Seminare. Und das Singen und die Meditation im Wechsel öffnen den Weg zur selben Quelle, die ich als Musiker kenne, die aber jeder, wirklich jeder in sich finden kann. Wo ist das Momentum eines erfüllten Lebens zu finden? Nur in uns selbst. Und mit „Singen und Stille“ gibt es die wunderbare Möglichkeit, es unmittelbar zu spüren.

Im Kontrast zu den spektakulären Inszenierungen, an denen Sie Teil hatten, den Auftritten in den berühmtesten Kulturtempeln der Welt wirken Wohnzimmerkonzerte oder Seminare mit 30 Teilnehmern alles andere als standesgemäß. Warum machen Sie das?

Das Momentum wahrer Lebendigkeit kann auf der größten Bühne stattfinden – oder auch nicht. Ob vor 70 oder 2000 Menschen, ist unerheblich. Die Bewertung, ob etwas groß ist oder klein, habe ich komplett fallengelassen.

Sie leiten auch Klangmeditationen an. Wie inszenieren Sie das?

Einerseits spiele ich, andererseits leite ich das Publikum zum „Tönen“ an, zum Singen ohne Worte. Ich sitze zum Teil am Klavier und begleite mit Akkorden. Das ist eine neue Form, die mir in der Meditation ins Bewusstsein kam. Das mache ich als „Singphonie“ beim Bund Deutscher Yogalehrer, mit 500 Menschen. Oder auf einem Kongress mit 1000 Menschen. Viele Teilnehmer im Publikum sind sehr berührt. Das hat mich zunächst stutzig gemacht. Jetzt weiß ich: Es baut sich ein Energiefeld auf. Die Musik öffnet einen Raum in der Seele, den wir mit Worten nicht erreichen. Um es mit Hazrat Inayat Khan, dem Begründer des Sufi-Ordens, zu sagen: Musik ist die Stimme der Seele. Die Sehnsucht, die wir spüren, ist der Ausdruck der Seele, um zum Göttlichen in uns zu finden. Sie ist heilig. Und bei diesen Klangmeditationen wird sie für mich und viele andere Menschen spürbar. Auch deswegen fühle ich mich berufen, Menschen mit Musik zu inspirieren.

Interview: Sven Rohde auf svenrohde.com, Hamburg, 2/2017
Foto: Raimund Junghardt, Intuitive Music Orchestra, Bonn Bundeskunsthalle 2011
VonHans-Peter Dibke

„Mein Ansatz der Intuitiven Musik“ – von Markus Stockhausen

„Wir leben in einer neuen Zeit, und demnach versuchen wir auch eine Musik zu machen, die der heutigen Zeit, so wie wir sie erleben, entspricht. Es geht nicht mehr um ein höher, schneller weiter, um eine bestimmte Stilrichtung oder eine bestimmte Botschaft. Es geht um eine Authentizität, um eine wahrhaftige Klangäußerung, um eine Offenheit und Bereitschaft, eine Sensibilität, ein Musizieren mit ganz empfänglichen Antennen für Inspiration im Jetzt und eine umfassende  Wahrnehmung. Das verlangt ein fortwährendes Üben des Musikers. Er wird zum Künder von Freiheit.“ Markus Stockhausen

Mein Ansatz der Intuitiven Musik

Intuitive Musik ist für mich heute eine gültige neue Musikrichtung, neben Klassik, zeitgenössischer Musik, Jazz, Pop, Rock, World Musik, Folklore usw.

Der Begriff Intuitive Musik wurde ursprünglich 1968 von meinem Vater Karlheinz Stockhausen mit seinen zwei Textzyklen „Aus den Sieben Tagen“ und „Für Kommende Zeiten“ geprägt, die – manchmal poetische – Spielanweisungen für intuitiv improvisierende Musiker enthalten. Mit seiner damaligen Gruppe entstandenen viele Aufnahmen und Konzerte, stark geprägt durch seine persönliche Ästhetik der Neuen Musik.

In den ’80iger Jahren führte ich diese Stücke oft auf, insbesondere mit dem Ensemble für Intuitive Musik Weimar in der damaligen DDR. Gleichzeitig aber entwickelte ich meinen ganz eigenen Ansatz der Intuitiven Musik, der stilistisch weiter gefasst ist und meine Erfahrungen der harmonischen, melodischen und rhythmischen Improvisation mit einbezieht.

Mein Ideal

ist eine Musik jenseits aller Stilrichtungen, die sich dabei jedoch keiner verweigert. Nur so kann der Intuition wirklich freien Lauf gelassen werden und eine Musik entstehen, die allen Gegebenheiten Rechnung trägt und damit allen Musizierenden größtmögliche Ausdrucksfreiheit erlaubt:

  • die augenblickliche Inspiration,
  • der akustische und qualitative Raum,
  • die (Tages-) Zeit,
  • die Qualität und Gestimmtheit der Mitmusiker_innen,
  • die eigene Befindlichkeit,
  • das anwesende und rezipierende, innerlich beteiligte Publikum.

Vielleicht gehört Intuitive Musik auch deshalb zur forderndsten Disziplin der Musikausübung, weil sie dem Instrumentalisten die ganze Verantwortung seines musikalischen Tuns überträgt, ihm / oder ihr aber auch die größtmögliche Freiheit lässt. Die Musizierenden entscheiden selbst über das Tonmaterial, die Form, den Ausdruck, sowie die gesamte Gestaltung der Musik im Hier und Jetzt. Ihre schöpferischen Fähigkeiten werden stimuliert und entwickelt, die Phantasie stark angeregt.

Intuitive Musik ist die schöpferische Auseinandersetzung mit dem Eigenen und Fremden im Hier und Jetzt – eine fruchtbare Verständigungsform von höchster künstlerischer Qualität. Aus dem Spannungsfeld zwischen Überraschendem und Erwartbarem entstehen musikalische Gebilde, die im Augenblick stimmig und lebendig sind.

Mein Ziel

ist eine integrale Musik, die vor allem durch ihre Kraft und Schönheit unser seelisches Empfinden berühren kann, die unsere Phantasie beflügelt und uns und jene, die daran teilhaben, erhebt, und die sich absolut mit jeder anderen Musikrichtung messen kann.

Erforderlich dafür sind Erfahrung und Vorkenntnisse, die durchaus geübt werden können. Das Erlernen und Erkennen von Intervallen, Skalen, Harmonien und Rhythmen als Grundlage der Improvisation, die Schulung des Hörens, der Ästhetik und das Wissen um verschiedene Formabläufe usw., gehören alle zu den Grundkenntnissen, die ich vermitteln will. Denn ich will erreichen, dass diese Musik von fortgeschrittenen Musikern auf hohem Niveau ausgeübt wird, sodass intelligente und spannende Kommunikation unter den Musikern möglich wird.

Intuitive Music and More

„Losgelöst von inneren Vorstellungen, ohne den Auftrag einer vorgegebenen Komposition oder durch festgelegte Notation, entsteht die Möglichkeit einen musikalischen Prozess entstehen zu lassen, welcher sich aus dem Moment heraus ständig erneuert.“ Markus Stockhausen

Mein Ziel im Umgang mit Intuitiver Musik ist, kreative Musiker und Musikerinnen mit improvisierter und vor allem intuitiver Musik vertraut zu machen. Es geht hierbei um einen ganzheitlichen Ansatz, der keinen üblichen Normen bestimmter Stilistiken unterliegt. Diese geistigen und schöpferischen Impulse zu geben und anzuregen, erscheint gerade in unserer heutigen, globalisierten Welt von enormer Wichtigkeit zu sein und zu werden.

Kreativität, Phantasie, Spontanität und die Erarbeitung eines Prozesses bewusster Wahrnehmung und Ästhetik stehen im Vordergrund. Auch die empathischen bzw. sozialen Fähigkeiten des Musikers werden geschult. Musikalische Achtsamkeit ist ein wichtiger Aspekt.

Das eigene Instrument (die Stimme) sollte beherrscht werden. Die Grundlage dazu bilden verschiedene Techniken der Improvisation. Wichtig ist die Schulung des Gehörs, denn vom Hören hängt alles ab. Sequenzen der Stille führen zur besseren inneren Wahrnehmung und Intuition.

„Ein ruhiger, offener Geist, in Frieden sein mit sich und der Umgebung.
Aus der Stille Töne entstehen lassen. Horchen, lauschen, nach innen, und auf alles, was um mich ist. Töne im Einklang mit allem suchen, finden, spielen.
Im Jetzt. Die Sprache, derer ich mich bediene, ist sekundär. Am besten ist die Sprache offen, keinem bestimmten Stil zugeordnet.
ES hört, ES atmet, ES denkt, ES spielt. Ich bin Instrument.“ Markus Stockhausen

Beitrag:  Markus Stockhausen
Foto: Silvia Kleemann, Dortmund 2015

www.markusstockhausen.de
www.intuitive-music-and-more.com

Videos:

Markus Stockhausen WILD LIFE – official video (2018)

Markus Stockhausen & Jörg Brinkmann Jazz at Bran Castle (2016)

Markus Stockhausen – OUT OF THE BLUE – concert with Intuitive Music and More (2016)

BETWEEN EARTH AND SKY – Stockhausen, Mina, Carpentieri (2016)

Ritual – Moving Sounds – Markus Stockhausen and Tara Bouman (2015)

INSIDE OUT by Markus Stockhausen & Florian Weber (2014)

INSIDE OUT „Tenderness“ Markus Stockhausen, Florian Weber (2014)

Konzert „Intuitive Music and More“ in der Bundeskunsthalle mit M. Stockhausen, R. Zavelberg, u.a. (2012)

Markus Stockhausen Workshop: Intuitive Music and More in der Bundeskunsthalle Bonn (2011)

Atmen Sie mit mir… – Intuitive Musik mit Markus Stockhausen (ca. 2002)

VonHans-Peter Dibke

Stimmgabeltherapie – Ein Interview von Oliver Bartsch mit Dr. med. Particia Nischwitz und Thomas Künne

„Mit unserem Ansatz der Salutogenese wollen wir verschiedene Bereiche unseres Körpers und unseres persönlichen Umfelds stärken und rechtzeitig die Selbstheilungskräfte aktivieren, sodass sich Frustration, Ver-stimmung, Blockade oder auch Krankheit überhaupt nicht erst einnisten oder ausbreiten können. Die vorgestellten Stimmgabel-Anwendungen unterstützen das Wohlbefinden auf allen Ebenen, ihr Zusammenwirken bildet die Grundlage eines harmonischen, glücklichen und gesunden Lebens.“

In ihrem zweiten gemeinsamen Buch „Praxis-Set Stimmgabeltherapie“ zeigen der Stimmgabeltherapeut Thomas Künne und die Schulmedizinerin und Akupunktur-Expertin Dr. med. Patricia Nischwitz, wie mithilfe der beiliegenden hochwertigen Therapeuten-Stimmgabel Akupunkturpunkte zur Vorbeugung und Linderung von Beschwerden sanft und wirkungsvoll eingeschwungen werden können.

Herr Künne und Frau Dr. Nischwitz, Ihr Praxis-Set zur Stimmgabeltherapie wirkt wie aus einem Guss – wie ist es zu dieser gelungenen Zusammenarbeit zwischen einem Phonophorese-Experten und einer Allgemeinärztin gekommen?

Dr. Nischwitz: Nun, wir konnten mit unserem ersten gemeinsamen Buch „Stimmgabel-Set: Die Kosmische Hausapotheke“ ja schon beweisen, wie wir harmonieren. Und da diese Zusammenarbeit äußerst fruchtbar war, haben wir beschlossen, sie fortzusetzen. Der Fisch (Thomas) sprüht vor Ideen, und der Steinbock (Patricia) sorgt für die Bodenständigkeit. Zudem „arbeiten“ wir beide mit unseren Klienten und Patienten mit Energien und Schwingungen, sodass wir trotz unterschiedlicher Ausführungen in unserer Tätigkeit einen ganz großen gemeinsamen Nenner haben.

Künne: Durch die Zusammenarbeit mit Patricia können wir gemeinsam die Chance des Wassermann-Zeitalters am Schopfe packen, nämlich „neue Wege“ zu gehen und das „trennende Entweder-oder“ durch ein „verbindendes Sowohl-als-auch“ nachhaltig zu ersetzen, in dem sich zwei Experten aus Schulmedizin und alternativer Heilkunst gefunden haben, ohne sich zu suchen. Dies ist die wunder-volle Seelenverwandtschaft dieser „Zusammenarbeit“ zum Wohle aller.

Herr Künne, Sie gelten als „Musterschüler“ Dr. Ruediger Dahlkes, der auch das Vorwort zu diesem Praxisbuch geschrieben hat, und beschäftigen sich mit den komplexen Vorgängen der Innen- wie auch Außenwelt. Ist die Stimmgabel, die kosmische Schwingungen wiedergibt, wie ein Bindeglied zwischen diesen beiden Welten zu sehen?

Künne: Wir Menschen sind Kinder des Kosmos, wie ich bereits vor Jahren im Mankau-Klassiker zur Phonophorese, „Die heilende Kraft der Planetenschwingungen“, zusammen mit Inge Schubert ausführlich dargestellt habe. Dies bedeutet und hat zur Konsequenz, dass in unserem Zell-„Bewusstsein“ seit Urzeiten alle individuellen wie auch die kollektiven Erfahrungen aus Vergangenheit und Gegenwart verankert sind, die mit allen anderen Zellen des Körpers als Ganzem in Kontakt und Resonanz stehen. So ist es auch nicht verwunderlich, dass kosmische Schwingungen in unseren Zellen abgespeichert sind und durch die Phonophorese (re-)aktiviert werden können.

Mir persönlich gefällt in diesem Zusammenhang die Metapher der Souffleuse im Theater oder Opernhaus sehr gut: Der Akteur hat sein Programm oder seinen Text gelernt, aber: In diesem Moment hängt er, er weiß nicht mehr weiter. Durch den kurzen Impuls der Souffleuse findet er sich wieder zurecht, er wirkt wie ein Starthilfekabel für einen ins Stocken geratenen Motor.

Ein weiteres „stimmiges“ Bild liefert die Montessori-Pädagogik mit ihrem Credo „Hilf mir, es selbst zu tun“, denn: Tief in unserem Inneren „wissen“ wir, was gut ist für uns und was nicht. Ein Balancing mittels Stimmgabel bringt uns in sanften und direkten Kontakt mit unserer inneren Weisheit, die in jeder und jedem von uns schlummert, nicht nur in einigen. Somit ist die Stimmgabel des Praxis-Sets wirklich ein Bindeglied zwischen äußerer und innerer Welt, zwischen Makrokosmos Universum und Mikrokosmos Mensch.

Frau Dr. Nischwitz, inwieweit kommt die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) mit ihrer Lehre des Chi und der damit verbundenen Energiepunkte der Stimmgabeltherapie entgegen?

Dr. Nischwitz: Chi bedeutet so viel wie „Lebensenergie“, und Energie ist Schwingung, sodass die Basis praktisch die gleiche ist. In der TCM ist Energiearbeit (auch in der Ernährung oder der Massage) völlig selbstverständlich – im Unterschied zu unserer Medizin, die doch oft sehr grobstofflich ist. In der Naturheilweise geht es um die Anregung von Regulationen; dazu braucht es nicht immer den Holzhammer. Im Gegenteil: Ein Zuviel an Reizen kann überfordernd oder lähmend wirken. Bei der Akupunktur kommt es immer auf die Aktivierung von Punkten an, die auf ganz unterschiedliche Weise geschehen kann. Angefangen von der klassischen Nadel über Laser, Wärme oder Druck ist das „Einschwingen“ von Punkten per Stimmgabel ein sanfter Reiz, der vor allem auch gut selbst anzuwenden ist.

Herr Künne, die dem Praxis-Set beigelegte Stimmgabel in der Schumann-II-Frequenz – der Frequenz der neuen Zeit – wurde ausgewählt, weil sie für alle Menschen „stimmig“ ist. Wie wird so ein wertvolles Universalinstrument in seiner Wirkung ermittelt und ausgesucht?

Künne: Bereits im 2010 erschienenen Buch „Heilen mit dem kosmischen Ton“ mit Roswitha Stark konnte ich ein sanftes Balancing über das Gehör bzw. über die Körper-Chakren mit den Schumann-Resonanz-Frequenzen I und II vorstellen.

In meiner Praxis-Arbeit mit Klienten, auf Vorträgen und Kongressen und natürlich auch in Phonophorese-Seminaren und -Ausbildung kann ich immer wieder spüren, welch wohltuende Wirkung diese Frequenzen haben. Die Raumfahrt konnte mit der Schumann-I-Frequenz (250,56 Hertz) bereits die berüchtigte „Weltraum-Krankheit“ in den Griff bekommen. Die Schumann-II-Frequenz mit ihren 256 Hertz vermittelt uns auf der Erde lebenden Menschen symbolisch ein wunder-volles Erleben und Gespür für unsere Chancen im Wassermann-Zeitalter. Sie macht nicht eng, sondern erweitert im Gegenteil unseren Horizont, sie macht uns offen und empfänglich. Wie sagte eine Seminarteilnehmerin so treffend: „Mit der Schumann-II-Frequenz spüre ich am ganzen Leib, dass alles gut wird und ich mir keine Sorgen machen muss.“

Ich bin mir sicher, dass diese Frequenz neben den Allround-Gabeln OM und Venus zu einem weiteren Meilenstein in der Phonophorese wird. Aus diesem Grunde liegt jedem „Praxis-Set Stimmgabeltherapie: Gesund durch Schwingung“ eine hochwertige Therapeuten-Aluminiumstimmgabel bei, hergestellt von einem deutschen Traditionsunternehmen aus dem Thüringer Wald in vierter Generation, handgeschliffen auf die Frequenz von 256 Hertz. Diese Frequenz verkörpert zudem eine Oktavierung (= Verdopplung) von 8 Hertz, d. h. derjenigen Frequenz, auf der gemäß Untersuchungen des amerikanischen Institute of Heartmath ein liebendes Herz schwingt und die den Alphawellen unseres Gehirns entspricht. Letztere treten in gelöster und entspannter Haltung auf und sind damit das „Tor zur Meditation“: Wir ruhen in uns selbst, sind frei von Stress und Angst, dabei aber wach, bewusst und achtsam.

Frau Dr. Nischwitz, Ihr Hauptanliegen sind Naturheilverfahren wie Akupunktur, Homöopathie und Kinesiologie. Wie ordnen Sie die Bedeutung der sanften Stimmgabeltherapie im Bereich der Naturheilverfahren für die Zukunft ein?

Dr. Nischwitz: Wenn ich mir die letzten Jahre oder Jahrzehnte anschaue, so darf man feststellen, dass langsam ein Wandel in der Denkweise stattfindet: Was ist Gesundheit, was kann ich selbst für mich tun, was heilt? Inzwischen sind sogar vorsichtige Ansätze in der Schulmedizin zu finden, denen zufolge Krankheit eben nicht nur eine Störung der Struktur oder chemischer Prozesse ist. Vor diesem Hintergrund schreibe ich den „alternativen“ Heilverfahren, zu denen auch die Stimmgabeltherapie zählt, eine große Bedeutung zu. Und wie ich schon erwähnte: Kleine Reize regen das System an, sanft zu reagieren, ohne es zu erschlagen. Gerade berichtete mir eine Patientin mit einer halbseitigen Gesichtslähmung nach einem Infekt, wie gut ihr die Behandlung von Akupunkturpunkten mit der Stimmgabel täte.

Praxis-Set Stimmgabeltherapie: Gesund durch Schwingung, Akupunkturpunkte sanft und wirkungsvoll einschwingen. Herr Künne und Frau Dr. Nischwitz, der wesentliche Bestandteil Ihres Praxisbuchs sind die harmonisierenden Stimmgabel-Anwendungen, mit denen verschiedene Körperbereiche gestärkt werden können, sodass Verstimmungen und Blockaden gar nicht erst auftreten. Nach welchen Auswahlkriterien haben Sie diese Balancings in das Buch aufgenommen?

Dr. Nischwitz: Wir haben uns gemeinsam angeschaut, was die Menschen vor allem in ihrem Wohlbefinden stört. Das sind ja häufig eher die Probleme, die zunächst nicht unbedingt als Krankheiten eingestuft werden, aber die Lebensqualität erheblich beeinflussen. Wir möchten eine gesunde Basis schaffen, indem wir mit den Balancings beispielsweise für einen klaren Kopf, für entspannten Schlaf, eine gute Verdauung und harmonische Beziehungen sorgen. So ist es leichter, mit Störungen und Problemen, die uns natürlich immer wieder begegnen, umzugehen, und wir müssen nicht daran (er)kranken.

Künne: Wir wollen nicht warten, bis das sprichwörtliche Kind im Brunnen liegt. Unsere Gesellschaft ist in vielen Bereichen nicht gesund, sondern eher krank. Mit unserem Ansatz der Salutogenese wollen wir rechtzeitig die Selbstheilungskräfte und den inneren Heiler in uns allen aktivieren, sodass sich Frustration, Ver-stimmung, Blockade oder auch Krankheit überhaupt nicht erst einnisten oder ausbreiten können. Aufgrund dieser Überlegung zeigten sich die im Buch vorgestellten Balancings wie von selbst, ihr Zusammenwirken bildet die Grundlage eines harmonischen, glücklichen und gesunden Lebens. Wer über ein intaktes (Körper-)Haus verfügt, kann auf Handwerker zur Reparatur von außen getrost verzichten.

 

Das Buch:
Thomas Künne & Dr. med. Patricia Nischwitz: Praxis-Set Stimmgabeltherapie: Gesund durch Schwingung, Akupunkturpunkte sanft und wirkungsvoll einschwingen.
Mit hochwertiger Therapeuten-Stimmgabel made in Germany und einem Vorwort von Dr. Ruediger Dahlke
Mankau Verlag, 1. Aufl. Okt. 2013, Hardcover mit Therapeuten-Stimmgabel, 157 S., 49,95 €

Weitere Informationen zur Phonophorese findet Ihr auf den Internetseiten von www.Stimmgabeltherapie.de, https://www.schwingung-als-weg.de und https://www.cosmic-lights-balancing.com

Quelle: mit freundlicher Genehmigung von Thomas Künne

 

VonHans-Peter Dibke

„Wie Klänge uns berühren“ – von Michael Reimann, Engelskirchen

Töne – Klänge – Schwingungen – Unterschätztes Potential

Wir kommen täglich mit Schwingungen, Klängen und Frequenzen – im wahrsten Sinne des Wortes – in Berührung. Heutzutage sind wir mit einer Vielzahl von Schwingungen konfrontiert – ob wir es wollen, oder nicht: Radio – und TV Frequenzen, Frequenzen der Mobil- und Schnurlos-Telefone, alle Audioquellen und Umweltgeräusche.

Schauen wir mal 367 Jahre in die Vergangenheit: Mozart wird gerade geboren und die musikalische Grundstimmung lag bei ca. 432 Hertz (regional unterschiedlich). Unsere heutige Kammerstimmung wurde 1939 in Paris auf 440 Hertz festgelegt, um den Instrumenten und dem Orchesterklang eine brilliantere Note zu geben – Tendenz steigend. Die Berliner Philharmoniker verwendeten unter Herbert von Karajan sogar 445 Hz.

Die Grundstimmung von a‘ = 432 Hz beziehungsweise c = 128 Hz steht in besonderer Weise mit dem menschlichen Körper in Verbindung, insbesondere dem Herzen, den Hirnwellen und den Ohren. Musik, die in dieser Stimmung gespielt wird, scheint den Zuhörer auf besonders intensive Weise zu berühren und geht mit der natürlichen Grundschwingung des Körpers beziehungsweise einiger seiner Teile (zum Beispiel dem Herzen und den Stimmbändern) in Resonanz. Im Rahmen der Musiktherapie können individuelle Frequenzen und Tonarten gewählt werden, um bestimmte Wirkungen zu initiieren. In einem Konzert hingegen erwartet man im Normalfall keine „Therapie“. Deshalb ist es sinnvoll, sich auf einen Aspekt im Sinne von Genuss und Wohlbefinden zu konzentrieren. Hierfür ist die 432 Hz-Stimmung prädestiniert, die allgemein als Türöffner für Harmonie, Wohlbefinden und („seelische“) Heilung gilt (Quelle: secret wiki).

Schon in der alten chinesischen Kultur hatte die Musik einen hohen Stellenwert.

Konfuzius formulierte es so: „Pflege der Musik -Das ist die Ausbildung der inneren Harmonie.“

Sollten wir dieser Erkenntnis – anstatt der Wissensvermittlung – in unserem Schulsystem nicht viel größerer Aufmerksamkeit schenken? In unserer heutigen sozialen Situation ist es höchste Zeit, bewusst den Umgang mit Harmonie zu pflegen.

Musik in unserem Körper fühlen

Nicht der beste Kopfhörer der Welt kann uns die Klangerfahrung vermitteln, die entsteht, wenn eine Schallquelle mit unserem Körper Kontakt hat. Neben der Möglichkeit, Klangschalen oder andere Instrumente auf oder am Körper zu spüren, enthält der Soundwaver -ein innovativer 360° Vibrationslautsprecher und Körperschallwandler – die Möglichkeit, alle aufgenommene Musik jeglichen Genres in den Körper „einzuspeisen“ – die Musik ist über das Knochensystem in unserem Körper zu hören und zu spüren. Er verwandelt jede harte Oberfläche wie Holz, Glas oder Metall in einen Resonanz-Körper und gibt Ihre Musik in erstaunlicher Klangqualität wieder. Seine Einsatzmöglichkeiten sind vielfältig: Z.B. fürKlangmassagen im Sessel oder im Bett oder das Hören und Fühlen spezieller Frequenzen unter Umgehung des Verstandes, der erst einmal alles kontrolliert und bewertet.

Gehörlose Menschen können damit mit Ihren Füßen Musik wahrnehmen – über den Fußboden. Idealerweise sollte dieser aus Holz oder Parkett bestehen.

Mit der CD „Frequenzreisen im Quantenfeld“ (Konzept: Jürgen Woldt, do it Akademie, Musik: Michael Reimann) – eine Co-Produktion der Doit-Akademie und Acron Music – haben Sie dieMöglichkeit ganz gezielt musikalische Impulse an bestimmte Organe zu schicken.

Auf diese Weise verbessert die CD emotionale und selbstregulatorische Fähigkeiten des Menschen, stärkt das Eigenempfinden bzw. hilft dabei, ein verlorenes Gefühl für sich selbst wieder neu zu entdecken.

Ein klassisches Beispiel erzählt Alfred Tomatis in seinem Buch Klang des Lebens weil man Zeit sparen wollte kürzte man das Singen im Tagesablauf eines Mönchsordens. Daraufhin wurden die Mönche krank. Man dachte, dass es am Essen lag oder sonstige Gründe dafür verantwortlich waren. Erst als man das Singen in der gewohnten Weise wieder einführte, besserte sich das Wohlbefinden der Mönche.

Neue Erkenntnisse bestätigten als gesundheitlichen Bonus beim Singen, die Stärkung des Immunsystems durch höhere Konzentration von Immunoglobolin und Cortisol.

Wolfgang Saus, der wohl fachlich versierteste Obertonsänger aus Aachen, verwendet den Körper schallwandler in Verbindung mit der Stimmanalyse – Software „Overtone-Analyser“. Hierdurch kann er die bis jetzt nur errechneten Formanten in unserer Stimme, real gemessen grafisch darstellen.

Anwendung am Körper

Grundsätzlich kann man sagen, dass die körperliche Beschallung mit 432 Hz-Musiken den Körper in seine ursprüngliche Funktionsweise zurückzubringt. Die Dauer der Anwendung hängt von der Stärke der Irritation des Organes oder Körperbereichs ab. Eine Regulation geschieht fast automatisch. Beachten sollte man nur, dass die Anwendung in einem angenehmen Maße erfolgt. D. h. welche Lautstärke ist noch angenehm und wie lange sollte die Anwendung gehen. Vertrauen Sie dabei auf Ihr Gefühl.

Die Anwendung erfolgt mit zwei Möglichkeiten: Der direkten Kontaktaufnahme an eine Körperstelle oder der indirekten Beschallung über einen Stuhl oder einen Bettrahmen.

Die Berührung über die Chakren (Handflächen, Fußsohlen etc.) am Rücken oder Körpervorderseite ist die wirkungsvollste, da sich an ihnen die Nervenenden konzentrieren.

Man könnte fast von einem „Klang-Bad“ sprechen, da die Schwingungen sich durch die Knochen im ganzen Körper ausbreiten können. Dieses körperliche Spüren verstärkt das Erlebnis „nur“ schöne Musik zu hören um ein Vielfaches: Wir werden quasi zu dieser Musik. Unser Körper wird zum „Resonanzkörper“. Ich habe selbst erlebt, wie ein spastisch und hochnervöser Junge ruhig wurde und die Töne des Daumenklaviers mit einem Lächeln bedachte, als ich ihm das Instrument an den Körper hielt. Hier gilt immer das Feedback des zu Behandelnden.

Hans Peter Klein vergleicht diese Klangmassage mit dem Grundprinzip der Homöopathie, nämlich Gleiches mit Gleichem zu heilen. Er versteht den Klang als Informationsträger, der mit seiner Schwingung auf Resonanz im gestörten Organismus zielt.

Was bedeutet nun für uns Menschen diese musikalische Schwingung? Der französische HNO-Arzt

Alfred Tomatis beschreibt es in seinem Buch „Der Klang des Lebens“:

„Abgesehen von dem gefühlsmäßigen Aspekt des Musikhörens und der Freude am eigenen schöpferischen Tun, gibt es erstaunliche Erkenntnisse über die Wirkungen auf unseren Körper. So ist das Ohr an einem Energieaustausch beteiligt, um unsere Hirnrinde mit Kraft zu versorgen. Das Hirn braucht zum Leben Zucker und Sauerstoff, es kann damit allein aber noch lange nicht denken. Für diese Funktion benötigt es eine andere Art von Nahrung: Stimuli, die aus allen Sinnesorganen als Fortleitung elektrischer Potentiale zu ihm gelangen.

Das hierfür weitaus wichtigste Sinnesorgan ist das Ohr, das ungefähr mit 90 % an der Energiezufuhr zur Hirnrinde beteiligt ist; und dies fast ausschließlich durch den Empfang hoher Frequenzen!

In der Schnecke, dem Hörorgan des Innenohrs, befinden sich im Bereich der Wahrnehmung hoher Frequenzen viel mehr Sinneszellen als im Bereich der tiefen. Hohe Frequenzen setzen sich somit in eine unverhältnismäßig größere Zahl von Impulsen um, die eine wahre Aufladung der kortikalen Tätigkeit bewirken (im EEG sichtbar). Das bedeutet Bewusstsein, Denkfähigkeit, Gedächtnis, Wille usw. – kurz: geistige Wachheit, aber auch Vitalität und Kreativität.“

Ein Vorreiter der Schwingungsforschung war der Naturwissenschaftler Ernst Friedrich Chladni, der zu  Mozarts Zeit (1756 – 1827) akustische Experimente machte. Eine mit feinem Sand bestreute Metallplatte brachte er mit einem Geigenbogen zum Schwingen. Die so entstehenden Muster sind die berühmten „Chladnischen Klangfiguren“ die belegen, das durch Schwingungen Formen entstehen.

Nachdenkenswert ist die Tatsache, dass der Sand an denjenigen Stellen das Muster bildet, wo die größte Ruhe auf der Platte zu finden ist. Diese Art, Schwingungen in für uns sichtbare Form zu bringen, hat der Schweizer Forscher Dr. Hans Jenny (1904 – 1972) in seiner „Kymatik“ mit modernsten Verfahren weiterentwickelt. Der Nachfolger dieser Klangforscher ist Alexander Lauterwasser mit seinen wunderschönen Wasserklangbildern.

http://www.wasserklangbilder.de

Bleibt uns nur die Frage: Wie und warum entstehen diese Formen durch Klang?

Ohne eine endgültige Antwort darauf zu haben, ist es doch schön, sich vorzustellen, wie die Berührung mit Musik uns in unserer physischen Form derart formen kann.

Funktionale Musik

Dieser Begriff erklärt eine Musik, die nicht einfach nur als „Hörgenuss“ zu verstehen ist, sondern mit dem eine bestimmte Anwendung  und Zweck  verbunden ist. Beispiel: Die Eigenschwingung der Erde nennt man Schuhmann-Frequenz. Diese liegt durchschnittlich bei 7,5  Hertz im tiefsten Bereich. Wenn eine Musik diese Schwingung beinhaltet, nehme ich sie beim Hören auf und verbinde mich im b.esten Fall mit dieser Erdschwingung.

Wann können Schwingungen für den Menschen gefährlich werden? Zwei Faktoren spielen dabei eine Rolle: Die Stärke und die Dauer. Sicher kennen Sie die Wirkung der Musikboxen aus einer Diskothek. Auf Dauer sicher schädigend – für das Gehör und für den Herzrhythmus, der sich nach geraumer Zeit (interessanterweise) dem Beat der Musik anpasst. Ich denke, dass diese körperliche Erfahrung heute die fehlenden Einweihungs- und Trancerituale der  Urbevölkerung kompensiert.

Es gibt eine ganz einfache Regel für die persönliche Verträglichkeit von Musik: Es ist das Gefühl und das Gespür des Wohlfühlens. Sobald ein unangenehmes Gefühl auftaucht – und unser Körper ist da noch ziemlich sensibel – wäre die Anwendung zu reduzieren oder ganz abzubrechen.

Die Musik ist nicht nur Kunst und Unterhaltung: Sie berührt direkt unsere Seele. „Ich kann den Geist der Musik nicht anders fassen, als in Liebe.“ Richard Wagner

28.09.2018
Homepage des Autors: www.michaelreimann.de
E-Mail: mail@acronmusic.de

Quelle: mit freundlicher Genehmigung vom Michael Reimann